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Archiv bis 2008


Zur Geschichte von Louisenfeld


1500 v. Chr.   Beginn der Besiedelung (Hügelgrab südlich von Louisenfeld).
500 v. Chr. bis 600 n. Chr.    Germanische Besiedelung (Langobarden, Semnonen u.a.).
Ab 6. Jhd.   Die letzten Germanen wandern nach Süden und Westen ab. Landnahme des fast menschenleeren Raums durch die Slawen.
12. bis 14. Jhd.   Deutsche Siedler kommen aus der Mark Brandenburg, aus Holstein, Westfalen und Niedersachsen ins Land. Einführung des deutschen Rechts. Südlich von Louisenfeld legen die Ritter einen befestigten Turmhügel an.
Um 1275   Die gotische Kirche von Sommerstorf wird aus Feldsteinen und Backsteinen erbaut.
1289   Erste urkundliche Erwähnung von Sommerstorf und von Panschenhagen.
1316   "Starkevitz" als deutsch-slawische Siedlung entsteht um den Turmhügel herum.
1388   Erste Erwähnung von Grabow (Grabowhöfe) in einem Brief von Fürst Nikolai von Werle.
1402   Letzte Nennung von Starkevitz.
Mittelalter   Schwere Bedrückung und Not bei der einfachen Landbevölkerung. Ständige Fehden und Kriege.
17. Jhd.   Große Verwüstungen im 30jährigen Krieg. Durch Bauernlegen werden die Bauern zu Leibeigenen.
20. Februar 1751 Johann Heinrich Voß, der bekannte Homer-Übersetzer, wird in Sommerstorf geboren.
1820   Aufhebung der Leibeigenschaft. Leibeigene werden Landarbeiter. Weiterhin große Bedrückung. Auswandererströme nach Amerika.
Um 1830   Freiherr Graf von Hahn bzw. seine Witwe Louise Joh. H. von Voß besitzt die Meierei Grabowhöfe und fünf weitere Dörfer.
Um 1870   Der Gutshof wird erbaut. Bauherr ist wahrscheinlich Max Otto Friedr. W.A.E. Graf von Hahn.
1878   Im Staatskalender von Mecklenburg-Schwerin wird erstmals der Ort "Louisenfeld" erwähnt.
1914   Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe ist Herr über Louisenfeld und fünf weitere Dörfer.
1932   Der Gutsbesitzer von Louisenfeld verliert das Sparkassenbuch in der Stadt.
1936   Reichsumsiedlung von Bauern aus der Lohheide/Niedersachsen nach Mecklenburg.
1936/37 Das Gut wird von der Reichsumsiedlungsgesellschaft auf 400 Morgen verkleinert; es entstehen sechs neue Höfe in der (gegenwärtigen)  Flur Louisenfeld. Das Restgut übernimmt ein Pächter.
Um 1937   Im Gutshaus leben 10 Personen: die Herrschaft nebst Dienstboten.
1944 Der Krieg geht zu Ende. Im Gutshaus leben bis zu 36 Flüchtlinge.
1945   Verlorener Krieg, Flucht und Vertreibung von 12,5 Millionen Deutschen aus dem Osten des Reiches und aus dem Sudetenland, davon 4,4 Millionen in die sowjetische Besatzungszone.
Herbst 1945   Bodenreform in Mecklenburg: Aufteilung des Restgutes in Louisenfeld unter dreizehn Neubauern.
1952   30 freie Bauern bewirtschaften eigenen Acker in der (damaligen) Flur Louisenfeld.
1960   Staaliche Zwangskollektivierung, alle Bauern "treten der LPG (=Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) bei".
(Ende der Kurzchronik)

... und eine weitere Beschreibung:

Die Geschichte eines kleinen Dorfes

Als im 6. und 7. Jahrhundert die Slawen ins Land einwanderten, war es der Stamm der Müritzer, der in unserer Gegend siedelte und auf dem Territorium des heutigen Louisenfeld eine slawische Siedlung errichtete. Später, in der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts, ist das Bestehen einer von einem Ritter bewohnten Burg nachgewiesen. Auch einen Turm, auf einem Hügel errichtet, hat es vor vielen hundert Jahren einmal gegeben. Der Name dieser Siedlung ist uns über die Jahrhunderte hinweg nicht erhalten geblieben.
In den Beichtkinderverzeichnissen von 1704 und 1751 wird Louisenfeld nicht erwähnt. Auch die Schmeltausche Karte von 1788 verzeichnet keine Siedlung am Standort des heutigen Louisenfeld.
Damals befanden sich dort noch ein Teil der Feldfluren der Sommerstorfer Bauern, die gegen Ende des Jahrhunderts gelegt wurden.
Die Bezeichnung Bauernwald erinnert noch an diese Zeit. Der Hof Louisenfeld entstand als Vorwerk des Gutes Grabowhöfe und wird 1899 als Meierei Louisenfeld erwähnt. Den Namen hat der Ort vermutlich von der Louise von Voß, geborene Gräfin von Hahn erhalten. Diese hatte das Gut Grabowhöfe am 23.12.1832 von ihrem Bruder, Friedrich Graf von Hahn als Weihnachtsgeschenk bekommen.
Die Familie des Grafen Hahn war bis zur Jahrhundertwende Besitzer des Hofes Louisenfeld.
Dann erwarb es der Fürst von Schaumburg-Lippe, der es verpachtete. In den zwanziger und in den ersten dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts war Herr Rolfs der Pächter des Hofes Louisenfeld und bewohnte mit seiner Familie das Gutshaus.
Der Hof Louisenfeld wurde von der Reichumsiedlungsgesellschaft Berlin aufgekauft und aufgesiedelt. Es wurden 16 Bauernhöfe und ein Resthof geschaffen und von 1937 bis 1938 mit den Siedlern, die überwiegend aus dem Lüneburgischen kamen, besetzt.
Der Resthof wurde von Dr. Wörmann und Frau erworben und bis zur Bodenreform 1945 bewirtschaftet.
Durch die Bodenreform erhielten vorwiegend Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands aber auch einheimische Landarbeiter und Handwerker eine Neubauernsiedlung mit Land und Wald. Der Neubauer Richard Muschall hatte für das aus der Bodenreform erhaltene Land 2.092,- RM in 15 Jahresraten jeweils zum 1. Oktober zu zahlen.
Einige der Neubauernfamilien fanden im Gutshaus ihr neues Heim. Andere bauten die vorhandenen Stallanlagen zu Wohnungen und Stallgenäuden aus. Die Religionsgemeinschaft der Siebenten-Tages-Adventisten hatte im Ort viele Mitglieder und diese errichteten von 1951 bis 1952 in Eigenleistung eine Kapelle, die im Herbst 1952 eingeweiht wurde.
Viele Louisenfelder und Bewohner der umgebenden Dörfer werden sich heute noch aus ihrer Kindheit an die Kindereinrichtung im Gutshaus erinnern, die zuerst Erntekinderkrippe und später für viele Jahre ständige Einrichtung war.
Mit dem Aufkommen der LPG verlagerte sich die landwirtschaftliche Produktion immer mehr aus dem Ort. Die Bewohner des Dorfes waren bis zur Wende vorwiegend in den Sommerstorfer Milchviehanlagen beschäftigt. Heute leben ca. 57 Menschen im Dorf, und die Felder der Bauerhöfe werden von einem Wiedereinrichter bewirtschaftet.

Hans-Joachim Hagemann


Nachtrag: Entgegen eventuell anderslautenden Darstellungen befinden sich sowohl das ehemalige Gutshaus sowie auch alle übrigen Häuser im Ortsteil Louisenfeld vollständig in Privatbesitz !



Hügelgrab

Burgwall aus der Vogelperspektive

Gutshaus 1936

Giebel: Initialen des Bauherren